Donnerstag, 22. Februar 2018

Rezension zu "Die Rache der Polly McClusky" von Jordan Harper

Autor: Harper, Jordan

Titel: Die Rache der Polly McClusky

Verlag: ullstein-buchverlage.de

Seiten: 288 Seiten

Preis: 15,00 E


Worum es geht: 

Polly McClusky ist elf und eigentlich zu alt für den Teddybär, den sie überallhin mitnimmt, als überraschend ihr Vater Nate vor ihr steht. Der ist aus dem Gefängnis ausgebrochen, um Polly das Leben zu retten. Denn auf Polly ist ein Kopfgeld ausgesetzt. Nate hat sich im Knast einen mächtigen Feind gemacht: die Gang Aryan Steel hat ihn und seine Familie zu Freiwild erklärt. Nates Exfrau wurde bereits getötet, Polly ist die Nächste auf der Liste. Auf der Flucht durch Kalifornien werden Vater und Tochter zu einem starken Team. Nates Kampftraining macht aus dem schüchternen Mädchen einen selbstbewussten Fighter. Und durch Pollys Scharfsinn halten sie den Vorsprung vor ihren Verfolgern. Bald ist Nate jedes Mittel recht, damit Polly wieder ein Leben ohne Angst führen kann.  - Ullstein Verlag 

Meine Meinung: 

Wie Leser dieser Seite wissen, Krimi kommt selten vor, fast nie eigentlich. Die Rache der Polly McClusky klang wie ein Krimi, hat aber ein grosses "Roman" auf dem Cover abgebildet, weshalb es mir auffiel in den Verlagsvorschauen. Der Titel und das Coverart halfen dabei natürlich auch. 
Diese Softversion eines Krimis sollte es in meine Hände schaffen. Wer kennt noch den Film "Wer ist Hannah"? Öfters fühlte ich mich daran erinnert, vor allem als der Vater beginnt seine Tochter zu trainieren. Viel neues bietet Jordan Harper leider nicht. 
Harper schreibt hauptberuflich fürs amerikanische Fernsehen. Seinen Beruf entkommt er aber nicht, da man öfters denkt "Ja ich seh die Szene vor mir" aber nie "Oh das kann ich nachempfinden". Ein Männerbuch ohne Gefühle? Ich glaube eher, dass Harper noch nicht erkannt hat welche Macht ein Roman haben kann. Oberfächlich springt er von Szene zu Szene. Ja er hat eine Idee, und auch eine Story. Tiefe kommt allerdings nicht auf. 
Dieses Buch ist wie eine aufgeschriebene 7 Episoden Serie auf Netflix. Man braucht sie nicht, aber sie tut auch keinem Weh. 

Freitag, 2. Februar 2018

Empfehlung zu "Was zu dir gehört" von Garth Greenwell


Autor: Greenwell, Garth

Titel: Was zu dir gehört


Verlag: hanser-literaturverlage


Seiten: 240 Seiten


Worum es geht: 

Ein amerikanischer Expat betritt die öffentlichen Toiletten des Kulturpalasts von Sofia, Bulgarien. Dort unten, wo niemand einfach so hingeht, trifft er Mitko, der Charisma ausstrahlt und Gefahr. Der Amerikaner bezahlt Mitko für Sex und trifft ihn danach immer wieder, gefangen in seinem Begehren und in einer Beziehung, in der Zärtlichkeit umzuschlagen droht in Gewalt. Und während er sich seiner komplizierten Vergangenheit stellen muss, kann er weder seinem Verlangen entkommen noch den Privilegien als Ausländer, die ihn von Mitko trennen. "Was zu dir gehört" ist ein tiefberührender Roman über die Macht von Scham und Sehnsucht. Und über eine Liebe entgegen jeder Wahrscheinlichkeit.

Ein Mann, gefangen in seinem Begehren für einen anderen – ein Roman, "so schön und rein wie Poesie" (Hanya Yanagihara).

Meine Meinung: 
Der nie namentlich erwähnte Erzähler dieses Debüts trifft in Bulgarien auf Mitko, der ihm dank Geld so nah und doch immer viel zu fern sein wird. Ausser Mitko werden alle Namen mit dem Anfangsbuchstaben abgekürzt, niemand sonst scheint von Wichtigkeit zu sein. Es wirkt wie in einem von denen Pornofilmen in denen man nie Gesichter sieht, eine Leinwand für jeden sich selbst darauf zu projezieren. Eingeteilt in 3 Abschnitte beginnt und endet unser Abenteuer mit Mitko. Auf erschreckend ehrliche Art beschreibt Garth bis ins Detail von seiner Zeit mit der käuflichen Zuneigung und trotz der wundervollen Sprache, ist er doch Poet, wird schnell ein Gedanke wach: Wieviel ist biografisch?
Kann Jemand, der diese Situationen nicht gefühlt, nicht durchlebt hat, wirklich so darüber schreiben?
Garth Greenwell hat als Lehrer in Bulgarien gearbeiten. Soviel ist gewusst.
Teil 2 dieses Juwels der beklemmenden Sehnsucht nach Erfüllung und Sicherheit konzentriert sich auf die Vergangenheit unseres Protagonisten. Aufarbeitung seiner Jugend, der Vernachlässigung seiner Eltern und dem ersten Herzbruch führen den Leser tiefer hinein, lösen aber auch die Illusion des leeren Blattes. Der Amerikaner wird dreidimensional, man kann sich nicht mehr einreden, man selbst verliere sich an der verbotenen Frucht, diesem Jüngling den man auf einen Sockel stellen konnte.

"Der Schmerz des Ausgeschlossenseins und die Lust des Begehrens - manchmal glaube ich, es ist das Einzige, wonach ich je gesucht habe."

Die Machtausübung ist auf beiden Seiten betörend. Mitko, der weiss wie ergeben ihm der Ausländer ist, der glaubt etwas gegen ihn in der Hand zu haben und unser Tourist, der Mitko zwar nichts ausschlagen kann, aber dennoch mit Geld über ihn herrscht.
Der dritte Abschnitt wird von Kummer beherrscht. Und Garth weiss, wie er den Leser mit einer ordentlichen Portion Liebes- und Buchkummer zurücklässt.
Jeder Satz hat hier einen Nutzen, nichts steht hier ohne Grund. Versucht man etwas zu überspringen, ist man gezwungen zurückzurudern, um zu verstehen was vorgefallen ist. Viel passiert, viel wird gesagt auf den 240 Seiten.